Melanie Dittmer und die Identitäre Aktion in Eitorf & Umland

Melanie Dittmer ist eine Neo-Nazi-Aktivistin, die seit vielen Jahren, vor allem im Süden NRWs, aktiv ist. Schon in ihrer Jugend, in den 90ern, war Melanie Dittmer in der rechten Szene aktiv, unter anderem bei der NPD-Jugendorganisation „Junge Nationaldemokraten“. Des Weiteren schrieb sie Artikel für die Neonazizeitschriften „Ruhrstürmer“ und „Schwarze Fahne“1. In den letzten Jahren war sie bei ProNRW aktiv, wurde jedoch aufgrund ihrer zu radikalen Positionen ausgeschlossen. In Bonn organisierte sie Ende 2014 zwei, an das Dresdener Vorbild angelehnte, Pegida-Demonstrationen. In einem Interview mit Spiegel TV sagte sie unter anderem: „Für mich ist es völlig unerheblich ob es den Holocaust gegeben hat“2, was ihre extrem rechte Gesinnung sehr deutlich zeigt. Aufgrund des in Bonn ausbleibenden Erfolgs, veranstaltete sie in Köln und Düsseldorf mehrere Pegida-Demonstrationen. Sogar die offizielle Pegida-Organisation distanzierte sich ebenfalls von Dittmer, aufgrund ihrer radikalen Aussagen3. Nach dem Messer-Angriff auf die Kölner OB-Kandidatin Henriette Reker durch einen Neonazi, verbreitete Melanie Dittmer ein Video welches sie zeigt, wie sie Angriffe mit einem Messer, in Halsgegend trainiert4. Momentan ist sie vor allem in der von ihr gegründeten Identitären Aktion aktiv. Dittmer ist Mitbetreiberin der Facebookseiten „Identitäre Aktion Deutschland“ mit ca. 4200 Likes, sowie „Freundeskreis Rhein-Sieg“ mit 700 Likes. Auf diesen werden teilweise dieselben Fotos und Inhalte wie auf Dittmers privaten Accounts in sozialen Netzwerken verbreitet.

„Die Identitäre Aktion (IA) Deutschland entstammt der Identitären Bewegung (IB) Deutschland und hat sich im Mai 2014 von ihr abgespalten. Vorausgegangen war ein Streit zwischen Melanie Dittmer und Nils Altmieks dem IB-Leiter Deutschland. Dieser forderte von Dittmer eine klare Abgrenzung zu anderen Parteien und Organisationen wie der NPD. In der Folge gründete Dittmer eine eigene Gruppe, der sich bis auf drei Personen alle Aktivist*innen aus dem Rheinland anschlossen. Die IA führt die Strategien und Methoden der Identitären fort, ohne sich jedoch von anderen Gruppen zu distanzieren. […] Statt des Begriffs „Nationalismus“ verwendet die IA den bei der Neuen Rechten beliebten Begriff des „Ethnopluralismus“5. Sie bedienen sich damit gezielt eines Vokabulars, das in der breiten Masse (noch) nicht negativ besetzt ist. Sie sehen sich bspw. nicht als „Rassisten“, die ihre Rasse über die anderer Kulturen stellt, sondern geben vor jede Kultur schützen und erhalten zu wollen. Konzepte und das Vokabular der „Alten Rechten“ sieht die IA als ausgedient und gescheitert an, weshalb sie neue Wege einschlagen will, ohne dabei andere, die noch in diesen alten Strukturen verharren, ausschließen zu wollen. Der „gesunde Mittelweg dient hier der Kommunikation untereinander und dem Brückenbau“ [Nordland.tv; Melanie Dittmer, Anmerkung der Verfasser*innen]. Dieser Brückenbau soll in einer patriotischen Einheitsfront münden, die sich überparteilich u.a. von NPD, über Pro NRW bis Der III. Weg und Die Rechte spannt und mit PEGIDA- und HOGESA-ähnlichen Bündnissen wie DÜGIDA, Karlsruhe wehrt sich, Saarländer gegen Salafisten, Pfälzer Spaziergänge, Stammtisch Pirmasens und Patriotische Europäer sagen Nein vereint.“ (Blockade Saar, https://linksunten.indymedia.org/de/node/183842). Trotz der Verwendung anderer Begrifflichkeiten darf man sich nicht täuschen lassen und die IA unterschätzen, es handelt sich um Rechtsradikale und Neonazis. Dies wird auch deutlich, da sie mit Parteien wie dem III. Weg und Die Rechte zusammenarbeiten.
Am 25.02.2016 trat Melanie Dittmer erstmals öffentlich in Eitorf in Erscheinung als sie an einer Bürgerinformationsveranstaltung zum Thema Flüchtlinge teilnahm. Bereits dort versuchte sie durch Redebeiträge Stimmung gegen Geflüchtete zu machen, dies wurde jedoch von einem Großteil der Teilnehmer*innen der Veranstaltung unterbunden6.
Drei Monate später, am 31.05.2016, veranstaltete Dittmer mit der Identitären Aktion eine Demonstration in Eitorf am Rathaus. Auch hier gab es großen Gegenprotest7.

Abbildung 1: Beschmierte Mülleimer in Eitorf, auf dem Schulhof des Siegtal-Gymnasiums
Abbildung 1: Beschmierte Mülleimer in Eitorf, auf dem Schulhof des Siegtal-Gymnasiums

Seit Oktober 2016 verbreiten Dittmer und die IA vermehrt rechte Propaganda wie Flyer, Plakate und kostenlose Zeitschriften in Eitorf und der Umgebung. Unter anderem die Zeitung „Recht und Wahrheit“ die Zweimonatig erscheint und zum Beispiel zu der Teilnahme an Neonazistischen Aufmärschen wie dem „Tag der deutschen Zukunft“ aufruft8.

Abbildung 2: Mitglieder der IA kleben Plakate in Eitorf
Abbildung 2: Mitglieder der IA kleben Plakate in Eitorf

 

Desweitern tauchen in Eitorf und Umgebung regelmäßig Sticker der IA sowie Schmierereien auf.
Außerdem wurden von der IA mehrfach Transparente mit rassistischem Inhalt in Eitorf aufgehängt und es wurde versucht durch andere, kleine, Aktionen auf sich aufmerksam zu machen.

Abbildung 3 Transparent am Jugendcafé Eitorf
Abbildung 3 Transparent am Jugendcafé Eitorf

 

 

Abbildung 4 Transparent in der Nähe des Siegtal-Gymnasiums
Abbildung 4 Transparent in der Nähe des Siegtal-Gymnasiums

 

All diese Aktionen dienen angeblich dazu „die Jugend“ in Eitorf dazu zu bewegen sich bei der IA zu engagieren. Glücklicherweise scheint dies bisher jedoch ohne Erfolg zu sein. Darüber hinaus sammeln sich Mitglieder der IA in Eitorf und Umgebung und treffen sich zum Beispiel zum Wandern, Campen an der Agger und feiern gemeinsam die Winter- und Sommersonnenwende. Außerdem feierten sie im Juni ein „Somemrfest“ in Eitorf beim Hüppelrötschen. Daran nehmen auch Mitglieder anderer Rechtsradikaler Gruppierungen wie der JN (NPD Jugend) oder rechte Fußball Hooligans teil.

Abbildung 5 Gemeinsame Wanderung der IA und JN am 17.4.17 bei Eitorf
Abbildung 5 Gemeinsame Wanderung der IA und JN am 17.4.17 bei Eitorf

 

Abbildung 6: Sommerfest der IA mit Hooligans aus Grafenwald bei Bottrop
Abbildung 6: Sommerfest der IA mit Hooligans aus Grafenwald bei Bottrop

 

 

Abbildung 7: Sommerfest der IA beim Hüppelrötschen in Eitorf
Abbildung 7: Sommerfest der IA beim Hüppelrötschen in Eitorf

 

Seit Ende 2016 wohnt Dittmer in Obereib bei Eitorf und versammelt dort auch regelmäßig Mitglieder der IA für Partys etc.

Abbildung 8: Kontaktangaben der IA auf deren Website
Abbildung 8: Kontaktangaben der IA auf deren Website

Außerdem kam es seit ihrem Zuzug zu Bedrohungen und Angriffen auf Anwohner*innen, Andersdenkende und Menschen mit Migrationshintergrund9. Weitere Mitglieder der IA wohnen ebenfalls in Eitorf und der Umgebung. Die Anschrift der IA ist laut deren Website ebenfalls ein Postfach in Eitorf. Die IA und Dittmer unterhalten gute Kontakte zu anderen Rechten in der Umgebung, wie bereits oben erwähnt zum Beispiel zu der JN aus Rheinland Pfalz. Es bestehen auch Kontakte zu dem in Eitorf wohnenden Frank Krämer, dem Gitarristen der Nazi-Band „Stahl-Gewitter“10. Dieser Betreibt, ebenfalls aus Eitorf, den Sonnenkreuz-Versand, über den T-shirts, Bücher, CDs und vieles mehr mit rechtsradikalem Inhalt vertrieben werden. Außerdem hat Dittmer gute Kontakte zu vielen anderen Rechten in ganz Deutschland.

Abbildung 9: Melanie Dittmer mit Frank Krämer
Abbildung 9: Melanie Dittmer mit Frank Krämer
Abbildung 10: Anschrift des von Frank Krämer betriebenen Sonnenkreuz Versands

Aufgrund der genannten Aktivitäten wird deutlich, dass die IA um Dittmer versucht in Eitorf Fuß zu fassen und dort eine Wohlfühlzone für Rechtsradikale und Neonazis zu schaffen. Damit einhergehen Einschüchterungen von politisch Andersdenkenden, Migrant*innen und Geflüchteten, wie in Obereib oder durch das Aufhängen von Transparenten.

Es ist wichtig diese Versuche möglichst schnell und entschieden zu unterbinden um zu verhindern, dass sich in Eitorf eine Neonaziszene festigt.
Wir sehen es als notwendig an, dass dieser Entwicklung durch folgende Punkte entgegengewirkt wird:

1. Öffentlichkeitsarbeit & Sensibilisierung
Es ist wichtig, dass über die Entwicklungen in Eitorf und der Umgebung offen gesprochen wird und über die Gefahren dieser sowie über die Identitären und andere Rechte aufgeklärt wird. Vor allem Jugendliche sollten sich mit Themen wie Rassismus und Rechtsradikalismus auseinandersetzen, sei es in der Schule, im Jugendzentrum oder durch Broschüren und Zeitungsartikel.

2. Kommunalpolitisches & Städtisches Engagement
Dittmer konnte unter anderem durch den Einsatz einer engagierten Lokalpolitikerin in Bornheim soweit unter Druck gesetzt werden, dass sie jegliche Aktivität in Bornheim selbst einstellte, obwohl sie dort noch wohnte. Auch in Eitorf ist dies möglich. Dafür ist es wichtig das sich auch Städtische Organe und Lokalpolitiker*innen mit den Identitären auseinandersetzen, versuchen deren Aktivitäten zu unterbinden und klar Stellung gegen diese Beziehen. Darüber hinaus sollten Gesetzesverstöße durch Rechte auch klar als politisch Motiviert bezeichnet und auch so behandelt werden.

3. Eigeninitiative statt Wegsehen
Jede*r sollte die Augen nach Stickern, Plakaten und anderen Materialien der IA und anderer Rechter aufhalten und diese wenn möglich sofort entfernen um die Ausbreitung rechten Gedankengutes im Straßenbild zu stoppen. Sollte es zu Angriffen, Bedrohungen oder ähnlichem durch die Identitäre Aktion kommen, ist es wichtig nicht wegzuschauen sondern wenn möglich einzuschreiten oder notfalls die Polizei zu verständigen.
All dies zusammen kann im besten Fall zu so großen öffentlichen Druck gegen die Identitären führen, dass es überhaupt nicht mehr für sie möglich ist ungestört öffentlich aufzutreten, andere Menschen anzugreifen, zu bedrohen oder ungestört ihre rechte Hetze verbreiten zu können.
Solltet ihr selbst von der IA oder anderen Rechten bedroht, bedrängt oder angegriffen werden oder Aktivitäten dieser beobachten schreibt uns bei Facebook oder per Mail.

Antifaschistische Organisation Bonn – Juli 2017


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1 https://www.lotta-magazin.de/ausgabe/57/ich-kann-das
2 http://www.spiegel.de/video/sind-wir-das-volk-der-auslaenderfeinde-die-koepfe-hinter-pegida-video-1544551.html
3 http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/stadt-bonn/Pegida-verk%C3%BCndet-Trennung-von-Sprecherin-Melanie-Dittmer-article1532000.html
4 http://www.rp-online.de/nrw/staedte/duesseldorf/henriette-reker-rechtsextreme-trainieren-messerangriffe-aid-1.5480977
5 Dahinter verbirgt sich die Ansicht, alle „Kulturen“ sollten nur für sich bestehen und es sollte keine „Vermischung“ der Kulturen geben. Daran anknüpfen Forderungen alle Menschen mit Migrationshintergrund in ihre „Kultur“ zurück zu bringen und somit im Endeffekt die selbe Forderung nach einem Deutschland ohne Migrant*innen wie bei anderen Rechten.
6 http://www.rundschau-online.de/region/rhein-sieg/eitorf/fluechtlinge-in-eitorf–die-zahl-der-begangenen-straftaten-hat-sich-nicht-veraendert–23620144
7 http://www.rundschau-online.de/region/rhein-sieg/eitorf/-eitorf-bleibt-bunt–rund-260-menschen-demonstrierten-in-eitorf-gegen-rechts-24147580
8 https://www.apabiz.de/archiv/material/Profile/RuW.htm
9 https://linksunten.indymedia.org/de/node/215612
10 https://web.archive.org/web/20161128111457/https://de.wikipedia.org/wiki/Stahlgewitter_%28Band%29